Anlegerinnen und Anleger wünschen sich Orientierung

Jeder Verbraucher im Supermarkt kennt es: Dutzende Siegel wollen ein gutes Gewissen vermitteln und die Kaufentscheidung beeinflussen. Dabei fällt es selbst Aufgeklärten oft nicht leicht zu unterscheiden: Ist das Produkt auch wirklich gut für die Umwelt? Oder wird mit dem Siegel bloß Grünfärberei betrieben? Schließlich lassen sich für das so genannte „Greenwashing“ viele Beispiele anführen.

Auch immer mehr Anlegerinnen und Anleger wollen mit Ihrem Geld Gutes bewirken und interessieren sich verstärkt für nachhaltige Investitionen. Doch nachhaltig wirtschaftende Unternehmen von anderen zu unterscheiden ist nicht leicht, denn Anlegerinnen und Anlegern fehlt dafür oft die Zeit und das Know-how. Zudem brauchen sie klare Kriterien. Insofern stehen sie vor einem ähnlichen Problem wie Verbraucher im Supermarkt. Dabei helfen können ESG (Environmental Social Governance) und SDG (Sustainable Development Goals). Wir zeigen Ihnen, was sich hinter den Kürzeln verbirgt. Zudem zeigen wir Ihnen Nachhaltigkeitsrisiken bei Finanzprodukten auf und informieren Sie über deren Einbeziehung in die Beratungstätigkeit.

SDG: Sustainable Development Goals

SDG: Sustainable Development Goals

Im Jahr 2015 verabschiedeten die Delegierten von 193 Ländern in der Generalversammlung der Vereinten Nationen die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Kernstück der Agenda sind die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung („Sustainable Development Goals“), kurz SDGs.

Diese 17 Ziele sind umfassend und sehr ambitioniert: Keine Armut, kein Hunger, Geschlechtergleichheit, sauberes Wasser, Klimaschutz, nachhaltige(r) Konsum und Produktion, um nur einige zu nennen. Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung enthalten 169 Unterziele sowie Indikatoren zur Messbarmachung der Umsetzung. In der Präambel der UN-Resolution werden die 17 SDG-Ziele in fünf Kernbotschaften zusammengefasst:

  • Menschen: Alle Menschen sollen ihr Potenzial in Würde und Gleichheit und in einer gesunden Umwelt entfalten können.
  • Planet: Damit die Erde auch die Bedürfnisse der kommenden Generationen decken kann: Schutz der natürlichen Ressourcen und des Klimas durch nachhaltigen Konsum und nachhaltige Produktion.
  • Wohlstand: Alle Menschen sollen ein von Wohlstand geprägtes und erfülltes Leben genießen können.
  • Frieden: Förderung friedlicher, gerechter und inklusiver Gesellschaften, die frei sind von Furcht und Gewalt.
  • Partnerschaft: Internationale Solidarität, zu der alle Länder, Interessenträger und Menschen beitragen

Jedes Land hat sich verpflichtet, seine eigene Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln und bis 2030 in nationales Recht umzusetzen. So hat auch die Bundesregierung Anfang 2017 eine Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie beschlossen und erklärt, diese Sinne der Agenda 2030 kontinuierlich weiterzuentwickeln. Die Ergebnisse werden direkt von den Vereinten Nationen überwacht.

ESG: Environmental Social Governance

ESG: Environmental Social Governance

Die englische Abkürzung ESG steht für Environment Social Governance. Ins Deutsche übersetzt haben die Wörter in etwa die Bedeutung von Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.

ESG liefern nichtfinanzielle Kriterien für die Wertpapierauswahl. ESG bewerten Unternehmen, wie sie mit der Umwelt umgehen (Environment), wie sie soziale Werte achten (Social) und ob die dabei eine verantwortungsbewusste Unternehmensführung (Governance) an den Tag legen.

Für Anlegerinnen und Anleger sind ESG-Kriterien ein wichtiger Maßstab, wenn sie ihr Geld bei nachhaltig und verantwortungsvoll agierenden Unternehmen anlegen möchten. Sie werden sich beispielsweise fragen, was Unternehmen zur CO2-Reduzierung beitragen („Environment“), wie sie mit ihren Mitarbeitern umgehen und ob auch ihre Zulieferer Menschenrechte einhalten („Social“), welche Maßnahmen zur Verhinderung von Korruption und Bestechung bestehen („Governance“).

Wie diese nichtfinanziellen Kriterien umgesetzt werden, ist von außen nur schwer auszumachen. Viele Unternehmen setzen auf Transparenz und lassen sich von spezialisierten Agenturen in die Karten schauen. Je nach Agentur werden einzelne ESG-Kriterien stärken oder schwächer bewertet.

Informationen über Nachhaltigkeitsrisiken bei Finanzprodukten

Was sind Nachhaltigkeitsrisiken?

Als Nachhaltigkeitsrisiken (ESG-Risiken) werden Ereignisse oder Bedingungen aus den drei Bereichen Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance) bezeichnet, deren Eintreten negative Auswirkungen auf den Wert der Investition bzw. Anlage haben könnten. Diese Risiken können einzelne Unternehmen genauso wie ganze Branchen oder Regionen betreffen.

Was gibt es für Beispiele für Nachhaltigkeitsrisiken in den drei Bereichen?

  • Umwelt: In Folge des Klimawandels könnten vermehrt auftretende Extremwetterereignisse ein Risiko darstellen. Dieses Risiko wird auch physisches Risiko genannt. Ein Beispiel hierfür wäre eine extreme Trockenperiode in einer bestimmten Region. Dadurch könnten Pegel von Transportwegen wie Flüssen so weit sinken, dass der Transport von Waren beeinträchtigt werden könnte.
  • Soziales: Im Bereich des Sozialen könnten sich Risiken zum Beispiel aus der Nichteinhaltung von arbeitsrechtlichen Standards oder des Gesundheitsschutzes ergeben.
  • Unternehmensführung: Beispiele für Risiken im Bereich der Unternehmensführung sind etwa die Nichteinhaltung der Steuerehrlichkeit oder Korruption in Unternehmen.

Information zur Einbeziehung von Nachhaltigkeitsrisiken bei der Beratungstätigkeit (Art. 3 TVO)

Um Nachhaltigkeitsrisiken bei der Beratung einzubeziehen, werden im Rahmen der Auswahl von Anbietern (Finanzmarktteilnehmern) und deren Finanzprodukten deren zur Verfügung gestellte Informationen berücksichtigt. Anbieter, die erkennbar keine Strategie zur Einbeziehung von Nachhaltigkeitsrisiken in ihre Investitionsentscheidungen haben, werden ggf. nicht angeboten.

Im Rahmen der Beratung wird ggf. gesondert dargestellt, wenn die Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsrisiken bei der Investmententscheidung erkennbare Vor- bzw. Nachteile für den Kunden bedeuten. Über die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken bei Investitionsentscheidungen des jeweiligen Anbieters informiert dieser mit seinen vorvertraglichen Informationen. Fragen dazu kann der Kunde im Vorfeld eines möglichen Abschlusses ansprechen.

Um die Bewertung von Nachhaltigkeitsrisiken vorzunehmen, werden u.a. zusätzliche Informationen von Dienstleistern, Verbänden oder Organisationen genutzt, die sich auf die Beurteilung dieser Risiken spezialisiert haben. Grundsätzlich wird auch in Bezug auf Nachhaltigkeitsrisiken eine möglichst breite Streuung (Diversifizierung) der Anlage in Finanzprodukte oder ggf. auch innerhalb eines Finanzproduktes empfohlen.

Information zur Berücksichtigung nachteiliger Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren (Art. 4 TVO)

Im Rahmen der Beratung werden die wichtigsten nachteiligen Auswirkungen von Investitionsentscheidungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren der Anbieter nur bedingt berücksichtigt. Die Berücksichtigung erfolgt ggf. auf Basis der von den Anbietern zur Verfügung gestellten Informationen zu ihrer Nachhaltigkeit und ggf. der Nachhaltigkeit des jeweiligen Finanzproduktes.  Auf Grund der aktuell beschränkten Informationen der Anbieter werden diese Aspekte aktuell nicht in der Beratung berücksichtigt. Sie können auf besonderen Wunsch des Kunden auf Basis der aktuell zur Verfügung stehenden Datenlage berücksichtigt werden. Mit einem zukünftigen breiteren Marktangebot wird eine standardmäßige Berücksichtigung erfolgen.

Informationen zur Vergütungspolitik bei der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken (Art. 5 TVO)

Die Vergütung für die Vermittlung von Finanzprodukten wird grundsätzlich nicht von den Nachhaltigkeitsrisiken beeinflusst. Es kann vorkommen, dass Anbieter die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken bei Investitionen höher vergüten. Wenn dies dem Kundeninteresse nicht widerspricht, wird die höhere Vergütung angenommen.

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